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Immer mehr Haustiere werden bestattet
17.01.2008 / Lübecker Nachrichten
Kategorie: Archiv 2008
 
 
 
Inhalt:

Immer mehr Haustiere werden bestattet

Bonn/Mannheim (dpa/tmn)
Der letzte Weg für Haustiere ist meist alles andere als feierlich -landen sie doch nach ihrem
Tod meist in einer Tierkörperbeseitigungsanlage. Immer mehr Halter entscheiden sich
mittlerweile aber anders.
Sie wünschen sich für Hund, Katze, Vogel oder Nager eine Bestattung. "Haustiere sind meist
langjährige Freunde und Familienangehörige geworden", sagt Steffen Seckler
vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. "Und wenn sie sterben, sollen die Menschen
auch die Möglichkeit haben, angemessen Abschied zu nehmen."
Knapp 3000 Haustiere sterben pro Tag in Deutschland, wie der
Bundesverband der Tierbestatter (BVT) in Berlin mitteilt. Die meisten davon
werden bislang vom Halter selbst oder vom Tierarzt in eine Tierkörperbeseitigungsanlage
gebracht und dort weiterverarbeitet -zu Wolle, zu Leim oder auch zu Gelatine.
"Nur rund 10 Prozent werden beerdigt", sagt Peter Schmidt, Vorsitzender des BVT,
-bei allerdings steigender Tendenz.

Wer seinen Schützling beerdigen möchte, kann das unter bestimmten Bedingungen
selbst im eigenen Garten tun. Voraussetzung ist, dass das Haustier eine Schulterhöhe
von maximal 30 Zentimetern hat. "Das Grab darf außerdem nicht in einem
Wasserschutzgebiet oder in unmittelbarer Nähe von öffentlichen Wegen und Plätzen
liegen", sagt Seckler. "Außerdem muss der Körper mindestens 50 Zentimeter mit Erde
bedeckt sein." In der freien Natur darf man das Tier nicht begraben.

Ist eine Beerdigung auf dem eigenen Grundstück nicht möglich, oder möchte der Halter
seinen Schützling nicht selbst zu Grabe tragen, wendet er sich an einen Tierbestatter in
seiner Nähe. Eine Liste findet sich auf der Webseite des BVT.

Dabei muss sich der Halter zwischen zwei Arten der Bestattung entscheiden, bei denen
es jeweils möglich ist, das Tier aufzubahren und einen letzten Blick auf es zu werfen:
zwischen der Feuer-oder der Erdbestattung. Letztere ist zumindest in einigen größeren
Städten auf speziellen Friedhöfen oder -unter den genannten Umständen -im eigenen
Garten möglich.

"Generell geht der Trend aber ganz klar zur Feuerbestattung", sagt Schmidt. Derzeit gibt
es deutschlandweit sechs Krematorien, in denen Tiere je nach Größe gegen eine
Gebühr in Höhe von 150 bis 300 Euro verbrannt werden. "Mit der Urne bieten sich
schließlich noch andere Möglichkeiten", sagt Peter Schmidt. Das Gefäß, das meist aus
Kupfer oder Keramik, aber auf Wunsch auch aus Materialien wie Marmor besteht, lasse
sich nicht nur vergraben: "Man kann sich auch zu Hause eine persönliche Gedenkecke
einrichten."

Auf dem Friedhof des Berliner Tierheims werden überwiegend Hunde und Katzen
beerdigt, sagt die Sprecherin der Einrichtung, Evamarie König. "Doch es gibt auch
Halter, die ihre Hamster, Meerschweinchen oder Ratten zu Grabe tragen." Sogar ein
Leguan habe dort seine letzte Ruhe gefunden.

Die Kosten für eine dreijährige sogenannte Grabpacht beginnen auf dem Friedhof des
Berliner Tierheims bei 90 Euro für ein Urnen-oder Kleintiergrab und steigen bei großen
Hunden auf bis zu 150 Euro. Auf anderen Friedhöfen kann aber durchaus mehr Geld
fällig werden. "Nach Ablauf der drei Jahre kann man das Grab bei uns auch immer
wieder für zwei Jahre verlängern", sagt Evamarie König.

Für eine Erdbestattung bleibt der Körper häufig beim Tierarzt. Im Fall des Berliner
Tierheims kann der tote Schützling auch direkt dort abgegeben werden. "Bis zur
Bestattung vergehen dann meist höchstens zwei Tage", erläutert König. Die Zeremonie
sei eine vergleichsweise kurze Angelegenheit: "Meist werden die Tiere zur Bestattung in
eine Decke gehüllt und dann ins Grab gelegt."

Es muss allerdings nicht die Decke sein, in der das geliebte Tier zu Grabe getragen
wird. Der Halter kann bei beim Bestatter auch einen Sarg kaufen. "Der kostet zwischen
50 und 500 Euro", sagt Schmidt. "Das richtet sich nach der Größe und dem Material,
das von gepresster Pappe bis zu Massivholz reicht." Zudem gebe es gepolsterte und mit
Stoff ausgeschlagene Särge mit den unterschiedlichsten Verzierungen und Bemalungen
-zum Beispiel mit Regenbogen, Schmetterlingen oder sogar glitzernden Steinen.

Die Tierfriedhöfe unterscheiden sich von den Begräbnisorten für Menschen: "Das ist
alles viel verspielter und bunter dort", sagt Bestatter Peter Schmidt. Neben Blumen und
Grabsteinen finden sich auf den Grabstellen häufig auch Fotos der Tiere oder deren
einstige Lieblingsspielzeuge -sofern sie nicht mit ins Grab gelegt wurden.

Bundesverband der Tierbestatter: www.tierbestatter-bundesverband.de

Von Aliki Nassoufis, dpa


 
 

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