Pyramide statt Grab im Garten Immer mehr Haustiere werden auf Tierfriedhof begraben oder eingeäschert
Vom 03.01.2008 MANNHEIM Glänzende Pyramiden,
knallrote Keramikherzen oder
pastellfarbene Kugeln mit Teelicht -
Urnen aller Art für den verstorbenen
vierbeinigen Liebling liegen zur Zeit
voll im Trend. Die Feuerbestattungen
von Haustieren boomt.
Von
Panja Schollbach
"Viele Tierhalter stellen sich die Urnen
ins Wohnzimmerregal", erklärt
Keramiktechniker Olaf Oberhoffer bei der jüngsten Jahrestagung des
Bundesverbands der Tierbestatter (BVT) in Mannheim. Im Angebot hat
Oberhoffer Urnen in allen Größen und Farben - auf Wunsch mit
Namensgravur oder Motiv. Der Renner seien Pyramiden mit aufgemalten
Pfoten, sagt der Urnenhersteller aus der Nähe von Koblenz.
"Die Leute sind heute beruflich viel flexibler. Wenn man umzieht, möchte man
das tote Tier nicht im Garten begraben lassen", sagt Bestatterin Christine
Barthel. Seit zwei Jahren betreibt sie eine Tierbestattung im Kreis Neu-Ulm. In
ihrem Ladengeschäft können Tierhalter in einem "Verabschiedungsraum" von
dem aufgebahrten Tier in Ruhe Abschied nehmen. "Man darf die Tierliebe
nicht unterschätzen, das ist ein sehr emotionales Thema." Der kleinste
Leichnam, der ihr zur Feuerbestattung gebracht wurde, war ein 50 Gramm
schwerer Hamster. "Der Besitzer hat es nicht übers Herz gebracht, `Django`
selbst im Garten zu begraben", so Barthel. Bei einer Hunde-Beerdigung habe
sie schon eine Grabrede gehalten. "Tierbestatter kann man nur sein, wenn
man eigene Erfahrung mit dem Tod eines Tieres gemacht hat und weiß, wie
sich Menschen, vor allem Kinder fühlen."
Das Geschäft mit der Haustierbestattung hat in den vergangenen Jahren stark
zugenommen: Rund 150 Haustier-Friedhöfe existieren inzwischen in
Deutschland, etwa 100 Bestatterfirmen kümmern sich bundesweit um den
würdigen Umgang mit den sterblichen Überresten der Tiere. "In den
vergangenen zehn Jahren hat ein Bewusstseinswandel hin zu einem
würdevolleren Abschied für die Tiere stattgefunden", so der Berliner
Tierbestatter Reinhard Feldkamp.
Den Bewusstseinswandel spürt auch Peter Schmidt. Der Tierbestatter leitet
das größte deutsche Bestattungsinstitut für Tiere in Mannheim. "Wir hatten
2007 rund 1000 Feuer- und etwa 100 Erdbestattungen", erklärt Schmidt. Die
Kundenzahl steige jährlich um 25 Prozent. Eine Einäscherung gibt es ab 115
Euro, für fünf Jahre Grabmiete auf dem Mannheimer Tierfriedhof müssen
Tierfreunde mindestens 185 Euro bezahlen.
Wer es exklusiver mag, kann die Asche von Waldi, Fiffi und Co. zu einem
funkelnden Diamanten verarbeiten lassen. "Das ist etwas ganz Besonderes",
meint Hersteller Peter Thomas. Das Geld für die Schmucksteine ab 2000 Euro
aufwärts würden die Kunden oft monatelang zusammensparen. Für die
Anschaffung will Thomas bald ein Ratenzahlungsmodell anbieten. "Jeder soll
die Möglichkeit haben, mit der Trauer umzugehen, wie er es braucht." Eine Plastikkatze sitzt vor dem
Grabstein von "Manni" und "Mauzi"
auf dem Tierfriedhof Nord in
Norderstedt. Immer mehr Tierfreunde
lassen ihren ehemaligen
Hausgefährten auf Tierfriedhöfen
begraben oder in Krematorien
einäschern.Foto: dpa