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Samstag, den 19. September 2009 um 16:21 Uhr

Das tierische Geschäft mit dem Tod

Es ist ein Geschäft mit dem Tod. Und es ist ein Geschäft mit viel Liebe - Tierliebe, um genau zu sein.
Rund 120 Tierbestatter gibt es laut Verbandsvorsitzender Ulrike Mauthe in Deutschland, und es werden immer mehr. Dazu gehört seit knapp vier Jahren auch „Achat“ am Illertisser Bahnhof.
Dort kümmern sich die Inhaber Christine und Klaus Barthel um verstorbene Tiere und ihre Besitzer. Dutzende Fotos hängen in einer Ecke des Ladens - Tiere, die sie bestattet haben. „Es hilft den Menschen, wenn sie wissen, was mit ihrem Liebling geschieht“, sagt Klaus Barthel. „Inzwischen haben wir Hunderte zufriedener Kunden.“ Dabei seien sie selbst mehr als nur Bestatter. „Das ist eine Dienstleistung, für die man viel Mitgefühl braucht“, erklärt er. Und seine Frau ergänzt: „Man muss sich Zeit für die Menschen nehmen, zuhören.“

Immer häufiger würden die Tiere zum Sozialpartner ihrer Besitzer, und immer öfter herrsche deshalb große Trauer nach deren Tod. Viele möchten nicht, dass das geliebte Haustier in die Tierkörperverwertung kommt - und suchen deshalb Rat bei einem Tierbestatter.

In Illertissen können sich die Besitzer in Ruhe von ihrem Tier verabschieden, dafür sorgt ein eigens eingerichteter Raum. Danach wird das Tier vorschriftsmäßig in einen Beutel verpackt und kommt in die Kühlung. Einmal die Woche fahren die Barthels zum Krematorium nach Ödheim bei Heilbronn, wo die toten Haustiere eingeäschert werden.

Rund 65 Prozent ihrer Kunden lassen ihren Hund oder die Katze einzeln kremieren, erklärt Klaus Barthel. Am Schluss bekommen sie einen verplombten Beutel mit der Asche ihres Haustieres zurück und können beim Bestatter eine Urne kaufen. Der andere Teil der Kunden entscheidet sich für eine Sammelkremierung. Dabei wird die Asche von mehreren Tieren auf einem Tierfriedhof bestattet. „Es gibt einfach Leute, die können mit der Asche nicht umgehen“, sagt Christine Barthel dazu.

Manche können es sich aber auch nicht leisten, ihr Tier einzeln kremieren zu lassen. Zwischen 95 und 410 Euro kostet die Einzel-Einäscherung, je nach Gewicht des Tieres. Wer sein Pferd verbrennen lassen will, muss 2500 Euro zahlen. Tier-Urnen gibt es ab 30 Euro.

Die Wünsche der Kunden variieren. Manche möchten eine Haarlocke ihres besten Freundes haben, andere ein letztes Foto oder einen Zahn. Wer will, kann sich aus der Asche auch einen Diamanten fertigen lassen, die Kosten dafür liegen im vierstelligen Bereich.

Ihre Kunden seien so unterschiedlich wie die Gesellschaft, erzählen Christine und Klaus Barthel. Einzig die Liebe zum Tier eine sie. Das bestätigt Verbandsvorsitzende Ulrike Mauthe. „Viele schämen sich auch, wenn sie so um ihr Tier trauern“, sagt sie. „Doch die Akzeptanz dafür wird immer größer.“

In diesem Jahr will der Verband ein Qualitätssiegel verleihen. Dieser soll Tierbesitzern ein Anhaltspunkt dafür sein, dass ein Tierbestatter seriös und transparent arbeitet. Denn durch die steigende Beliebtheit von Tierbestattungen gibt es auch immer mehr Bestatter - die oftmals nur aus einer Anschrift ohne jegliche Serviceleistungen bestünden, so Mauthe.

Zusätzliche Informationen

  • Quelle: Augsburger Allgemeine Zeitung
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