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EXKLUSIV Interview mit dem Vorsitzenden des BVT

EXKLUSIV Interview
mit dem Vorsitzenden des Bundesverbandes der Tierbestatter e.V., Reinhard Feldkamp


veröffentlicht in „DER HUND“ - Ausgabe Nr. 2/2005 - Tierbestattung – ein Thema für Deutschland?

Freund, Kamerad, Tröster, Familienmitglied – Tiere spielen eine wichtige Rolle im Leben des Menschen. Für viele Tierhalter ist der Gedanke unerträglich, den tierischen Partner nach seinem Tod einer Tierkörperbeseitigungsanlage zu überlassen. Immer mehr Tierfreunde beauftragen daher einen Tierbestatter mit der Einäscherung oder Beerdigung ihrer Haustiere. Ist die Tierbestattung in Deutschland von Interesse? Die Journalistin und Fotografin Simone Brockes sprach exklusiv mit dem ersten Vorsitzenden des Bundesverbandes der Tierbestatter e.V. (BVT), Reinhard Feldkamp, (67).

Seit wann gibt es Tierbestattungen in Deutschland?

Erste Bestattungshinweise bei uns gehen zurück auf Friedrich den Großen, der im Schlosspark von Sanssouci für seine geliebten Windspiele Grabmale errichten ließ.

Auch Kaiser Wilhelm der Zweite ließ seinen Dachshund „Erdmann“ in der Parkanlage des Kasseler Schlosses mit allem Pomp beerdigen.


Welchen Stellenwert hat die Tierbestattung in unserem Land?


Tierbesitzer haben in Deutschland keine Lobby. Ich denke dabei besonders an die unendlichen Diskussionen im Zusammenhang mit der Aufnahme des Tierschutzes in das Grundgesetz. Nicht viel anders verhält es sich heute mit dem Wunsch von Tierbesitzern, sich durch Bestattung auf dem eigenen Grundstück oder einem Friedhof, vielleicht aber auch durch Einäscherung in einem Tierkrematorium, würdevoll von ihrem verstorbenen Haustier verabschieden zu können. Die Akzeptanz in unserer Bevölkerung für trauernde Tierbesitzer und deren Anliegen ist nur sehr gering ausgeprägt.


Was können Tierbesitzer heute mit ihrem verstorbenen Tieren tun?

Bis zum Ende des vergangenen Jahres war diese Frage durch das Tierkörperbeseitigungsgesetz geregelt. Danach hatten Tierbesitzer das Recht, ihre Tiere auf Grundstücken zu bestatten oder in Tierkrematorien einäschern zu lassen. Mit Gültigkeit der so genannten Hygiene-Verordnung Nr. 1774 des Brüsseler Rates hat sich auch in Deutschland einiges geändert. Was vorher als Ausdruck der ethischen Mensch-Tier-Beziehung und Teil der über Jahrzehnte gewachsenen Bestattungskultur selbstverständlich war, muss heute in jedem Einzelfall von den zuständigen Behörden genehmigt werden.


Wie viele Tierfriedhöfe und Tierkrematorien / Dienstleister gibt es derzeit in der BRD?

Nach unserem Kenntnisstand dürfte es heute etwa 120 Tierfriedhöfe und 80 Dienstleister geben. Tierkrematorien werden heute an 2 Standorten betrieben, und zwar in München – hierbei handelt es sich um eine Anlage, die vom dortigen Tierschutzverein vor etwa 35 Jahren erstellt wurde – und in Badbergen, in der Nähe von Osnabrück.


Es kursiert seit einiger Zeit das Gerücht, es gäbe in naher Zukunft bald ein drittes Tierkrematorium in Deutschland. Ist dies wahr – und wenn, wann wäre mit der Eröffnung zu rechnen?

Es sind in den letzten 2 Jahren wiederholt Versuche unternommen worden, an anderen Standtorten in Deutschland derartige Anlagen zu erstellen. Ich kenne die Gründe im einzelnen nicht, die letztlich zur Aufgabe dieser Vorhaben geführt haben. Generell lässt sich aber sagen, dass auf Grund der in Deutschland geltenden Rechtslage erhebliche Investitionen erforderlich sind, um den behördlichen Auflagen zum Beispiel im Bereich der Filtertechnik und des Umweltschutzes im Allgemeinen zu genügen. Das lässt sich aber nur rechnen, wenn eine hohe Auslastungsquote der Anlagen gewährleistet ist. Und das ist leider das Problem. Heute werden in Deutschland immer noch etwa 95 % aller verstorbenen Haustiere in den Tierkörperbeseitigungsanlagen entsorgt. Hierfür gibt es viele Gründe. Einer der entscheidensten ist die mangelnde Aufklärung der Menschen darüber, was in diesen Entsorgungsanlagen mit ihren Tieren geschieht.


Unsere europäischen Nachbarn, wie zum Beispiel die Niederlande, haben seit Jahren eine geregelte Tierbestattungskultur. Für sie wäre es undenkbar, ihre Haustiere einer Tierkörperbeseitigungsanlage zuzuführen. Warum tut sich Deutschland so schwer auf diesem Gebiet? Und wo liegen die Probleme?

Ich denke, dass es auch in unseren Nachbarländern, besonders Holland, vor Jahren nicht viel anders als bei uns ausgesehen hat. Dort gibt es aber andere Gesetze als bei uns, die nicht alles bis ins Letzte reglementieren. Tierkrematorien – meines Wissens gibt es davon allein in unserem Nachbarland 18 Standorte – können dort zu wesentlichen günstigeren Bedingungen gebaut und betrieben werden. Außerdem hat sich in der dortigen Gesellschaft schon sehr früh die Überzeugung durchgesetzt, dass den Menschen ein Ort der Trauer für ihr verstorbenes Haustier zusteht. Diese Einstellung wird vor allem von den dortigen Tierärzten unterstützt. An größeren Tierkliniken/Hochschulen gibt es inzwischen Psychologen, die allein die Aufgabe haben, sich um die trauernden Tierbesitzer zu kümmern. Davon sind wir hier in Deutschland noch weit entfernt.


Bislang gibt es nur in Nordrhein-Westfalen einen Gesetzentwurf, in dem die Tierbestattung zufriedenstellend geregelt ist. Wie gehen die restlichen Bundesländer mit der momentanen Situation um?

Leider ist dieses Bundesland bisher das Einzige, welches entsprechende Regelung gesetzlich festschreiben will. Dennoch sind wir vom BVT froh, dass hier der erste Schritt in die richtige Richtung unternommen wurde. Es wäre zu begrüßen, wenn auch die übrigen Bundesländer diesem Beispiel folgten, damit dem Tierbesitzer endlich die Sorge genommen wird, was mit seinem Tier geschieht, wenn es einmal stirbt. Wir haben als Bundesverband hierzu in unserer letzten Mitgliederversammlung eine Resolution beschlossen, die wir den zuständigen Entscheidungsträgern in Bund und Ländern sowie den davon betroffenen Behörden zur Kenntnis geben werden.


Was müsste sich Ihrer Meinung schnellst möglich und grundsätzlich ändern, damit es klare Richtlinien für alle gibt, wie Tierärzte, Tierbesitzer, etc.?

Die Verordnung aus Brüssel, die die Entsorgung nicht nur von Schlachtabfällen sondern auch von Haustieren beinhaltet, wurde im Jahre 2002 vom Europäischen Rat beschlossen. Auslösend hierfür war die damalige BSE-Krise und die verständliche Absicht, alles zu tun, um ein Ausbreiten der Seuche im europäischen Raum zu verhindern. Wie heute von Politikern zu hören ist, hat man dabei überhaupt nicht an die besondere Situation der Haustierbesitzer gedacht, sondern deren Tiere kontaminierten Schlachtabfällen aus der Schaf- und Rinderhaltung gleichgesetzt. Es ist auch überhaupt nicht zu verstehen, warum der Bundestag Anfang dieses Jahres bei der Ablösung des Tierkörperbeseitigungsgesetzes nicht analoge Regelungen für Haustiere in das damals beschlossene Gesetz mit der Bezeichnung „Tierische Nebenprodukte - Beseitigungsgesetz“ aufgenommen hat, um so unserer Haustier-Bestattungskultur einen würdigen Rahmen zu gewährleisten.


Welche Aufgaben hat der BVT? Und wie setzt sich dieser für die Dienstleister aus der Branche ein?

Der Bundesverband setzt sich dafür ein, dass eine Tierbestattungskultur entsteht und sich weiter entwickeln kann, die dem Tier als Lebewesen gerecht wird und ihm als Sozialpartner des Menschen zusteht. Wir möchten darüber hinaus wissenschaftliche Arbeit auf diesem Gebiet mit kulturhistorischem Ansatz fördern und überregionale Öffentlichkeitsarbeit zu Thema Tiertod initiieren. Ein ganz besonderes Anliegen ist unser Bemühen, als Fachverband anerkannt und damit an allen Gesetzinitiativen beteiligt zu werden. Durch regelmäßige Workshops und Seminarveranstaltungen zu unterschiedlichsten Themenschwerpunkten bieten wir unseren Mitgliedern die Möglichkeit der fachlichen Qualifikation und des Erfahrungsaustausches unter Kollegen an.


Wie sieht die Zukunft der Dienstleister im Bereich der Tierbestattung aus?


Wir haben etwa 22 Millionen Haustiere in Deutschland. Jeder kann sich ausrechnen, wie viel Tiere bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 10 bis 13 Jahren täglich versterben. Leider sind sich – wie ich Eingang schon erwähnte – die meisten Menschen nicht darüber im Klaren, was damit im Todesfall geschieht. Hier wird der Schwerpunkt des BVT liegen, nämlich Aufklärungsarbeit zu betreiben und zu unterstützen, um endlich die Öffentlichkeit „wachzurütteln“. Wenn uns das gelingt, ist mir um die Zukunft der Dienstleister im Bereich der Tierbestatter überhaupt nicht bange.


Müssen Tierbesitzer befürchten, dass es bald keine Tierfriedhöfe mehr in Deutschlang gibt?

Ich glaube nicht, dass es hier zu negativen Veränderungen kommen wird. Im Gegenteil, die Nachfrage gerade in den Ballungsgebieten nimmt ständig zu, so dass Städte und Gemeinde immer mehr gefragt sind, diesem öffentlichen Bedürfnis zu entsprechen und entsprechenden Flächenbedarf in ihren Bebauungsplänen auszuweisen.


Fazit:

In einer Gesellschaft, wo das Haustier einen immer höheren Stellenwert darstellt, wäre es verwerflich und unsozial, Menschen ihrer Möglichkeit, einen Ort der Stille und Trauer, zu berauben. Schon heute verdrängen wir mehr und mehr generell die so notwendige Trauerarbeit – auch beim Verlust eines geliebten Menschen. Der Tod gehört nun einmal mit zum Leben. Wir können ihn nicht einfach ignorieren.


© Simone Brockes

 
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